Brief an Kalua – mein ungeborener Engel

Brief an Kalua – mein ungeborener Engel

Ein Brief an Kalua – was sagt die da? Hab ich das richtig gelesen? Ein Brief an ein ungeborenes Baby soll heilend wirken? Dies kann ich nur bejahen: alleine diese Zeilen zu schreiben, war so befreiend, dass ich nur jedem dazu raten kann, seine Trauer zuzulassen. Sie wahr- und anzunehmen, reinzuspüren und diese dann in Worte zu fassen. Es darf wirr sein und ohne Punkt und Koma. Dein Herz kennt keine Rechtschreibung. Lass es einfach fließen und du wirst sehen es tut so gut.

Und plötzlich war sie da: die Trauer

Gestern nacht überkam mich noch eine tiefe Trauer, von der ich glaubte, dass sie längst nicht mehr da wäre. Ich glaubte den Tod meines Babys überwunden zu haben (mehr dazu findest du hier). Doch ich durfte lernen, dass dies wohl nie ganz der Fall sein wird und das es eben Tage gibt, an denen man mehr oder auch mal weniger „daran“ denkt.

So saß ich gestern, nach dem Leah einfach nicht mit mir einschlafen wollte, in unserem Gästezimmer und weinte. Die Trauer übermannte mich und ich beschloss einen Brief an mein ungeborenes Baby, welches wir Kalua tauften, zu schreiben.

Nun möchte ich euch den meinigen Brief aber nicht vorenthalten. Es gehört zu meiner Trauer dazu, diese öffentlich zu machen und so allen Frauen da draußen zu zeigen: ihr müsst NICHT stark sein. Lasst eure Gefühle fließen, teilt sie mit euren Mitmenschen und seid so eine Inspiration für alle Frauen, die das gleiche Schicksal erleiden mussten.

DER Brief – eine Inspiration an euch

Mein liebster Kalua, meine liebste Kalua,

heute wärst du eineinhalb Jahre alt, würdest vermutlich schon laufen und mich rufen, wenn du traurig, einsam oder wütend bist. Ich wäre der Fels deiner Brandung. Wäre immer für dich da und manchmal würde es vermutlich auch zwischen uns knallen: weil du nicht schlafen möchtest oder das Essen nicht schnell genug bekämst. Weil das Wickeln dir gerade so gar nicht passt oder du den Buggy auch total unmöglich fändest. Die Eingewöhnung der Kita würde in den nächsten Monaten sein und ich würde mich an den Gedanken gewöhnen müssen, loszulassen. Ein neuer Lebensabschnitt würde für dich beginnen – und ich dürfte wieder arbeiten gehen.

Doch alles kam anders – ich musste dich vor 2 Jahren ziehen lassen – ohne dich einmal in den Arm gehalten zu haben. Ohne zu wissen, wie du aussehen, riechen oder sich deine Stimme anhören würde. In meinem Herzen ist ein Teil, der unbewohnt ist und der sich sehnsüchtig wünschen würde, dich bei mir zu haben. Doch dieser Teil meines Herzens lässt sich auch nicht mit einem weiteren Kind füllen, es würde die Lücke nur „verrücken“. Diese Leere in diesem Teil, dieser Schmerz wird da immer bleiben. Mal stärker, mal schwächer. Und dieser „Raum“ gehört einzig und allein dir. Ich liebe dich so sehr und werde dich immer in meinem Herzen tragen.

Ich weiß aber auch, wärest du gewesen, hätte ich heute Leah nicht. Und sie bereichert unser Leben so wie du es bereichert hättest. Für deinen Papa hätte es niemals 3 Kinder gegeben, somit ist klar: wir hätten Leah niemals in unser Leben „gerufen“. Und dennoch würde ich mir so sehr wünschen, euch alle 3 bei MIR haben zu können. Doch das wird niemals passieren. Du bist fort – für immer. 

Was bleibt ist die Trauer, der Schmerz und die Sehnsucht nach dir. Dein Gehen war nicht umsonst. Durch dich durfte ich noch so viel lernen und verändern. Du hast unserer Familie so viel geschenkt, obwohl du gegangen bist. Du hast uns wachgerüttelt und somit den Start mit Leah überhaupt erst perfekt gemacht. So viel, dass du uns zu sagen versucht hast. Und ich habe dich verstanden. Wir haben noch mehr zu uns gefunden und lernen dürfen, dass Geld nicht alles ist und dass alle Familienmitglieder der Welt, NICHT die Eltern ersetzen, wenn sie arbeiten sind. Danke dir dafür! Du bist unser Engel.

Es gibt mir so viel Trost zu wissen, dass du da oben nicht alleine bist. Das Opa Werner und Getti Klaus bei dir sind und alle Verwandten, die bereits von uns gegangen sind. Du hast deine eigene kleine Familie da oben – MEINE Familie. Das tröstet mich so unheimlich, denn ich weiß, sie lieben dich so sehr wie ich dich liebe. Sie sind immer für dich da. Und sie werden mit dir zusammen warten bis ich zu dir komme. Und dann kommt unsere Zeit. Dann werde ich dich nicht noch einmal gehen lassen. Und auch wenn es bedeutet, den Rest der Familie loszulassen so weiß ich, dass du auf der anderen Seite auf mich warten wirst. 

Mein kleiner Engel Kalua, wie schön wäre es nur einmal in deine Augen zu sehen, ein Lächeln von dir zu erhaschen oder von deiner Stimme geweckt zu werden. Dies alles sollte einfach nicht sein und dennoch hätte ich es mir so sehr gewünscht. Mein kleiner Engel, du fehlst hier so sehr – es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denke. Würdest du Emily und Leah ähnlich sehen? Hättest du die gleichen blauen Augen? Würdest du mehr nach mir oder deinem Papa kommen? Hättest du ebenfalls die blonden Locken von deinem Papa? All das, werde ich wohl nie erfahren.

Du wirst immer zu dieser Familie gehören und ein Teil davon sein.  Und ich werde dafür Sorge tragen, dass deine Schwestern immer wissen werden, dass es dich gab und dass du uns von oben begleitest und immer bei uns bist. Sie sollen nie vergessen, dass ICH Mutter von 3 Kindern (!!) bin – auch wenn eines davon ein Sternenkind ist!

In ewiger Liebe und für immer mit dir verbunden, deine Mama

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Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, Frauen einen Weg aus ihrer Trauer zu zeigen bzw. ihnen zu zeigen, dass man auch mit Trauer leben kann und DARF. Schreibt mir und erzählt was ihr macht, wenn euch eure Trauer übermannt! Besucht mich auf Facebook und vergesst nicht, euch für meinen Newsletter einzutragen. Wäre mich sooooo sehr darüber freuen, wenn ich hier noch ein paar Follower für mich gewinnen könnte.

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